Sonderpreis der Klagenfurter Jury

1981

Kulturpreis der Stadt Regensburg

1987

Stadtschreiberin von Bergen

1988/89

Goetheplakette der Stadt Frankfurt

1990

Goetheplakette des Landes Hessen

2004

Preis der Frankfurter Anthologie

2008

F.A.Z., 6. Juni 2008 Mit dem Preis der Frankfurter Anthologie wird in diesem Jahr die Schriftstellerin und Journalistin, die Erzählerin und Essayistin Eva Demski ausgezeichnet.
Die Auszeichnung gilt einer einfühlsamen Interpretin deutscher Gedichte, die mit philologischem Scharfsinn zeigt, was der Poet gewollt und angestrebt, was er geleistet hat. Dank der Intelligenz Eva Demskis und ihrem Gespür für den Rhythmus und den Wohlklang, für den Reichtum der deutschen Lyrik in verschiedenen Epochen unserer Literatur erweist sich die Lektüre ihrer Kommentare als ein belehrendes Vergnügen.
Zu den bisherigen Preisträgern der Frankfurter Anthologie gehören Peter von Matt, Ruth Klüger, Wulf Segebrecht und Hans-Ulrich Treichel.
Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 28. September in Frankfurt am Main überreicht. Die Laudatio hält Marcel Reich-Ranicki.

 

DANKESREDE ZUM PREIS
DER FRANKFURTER ANTHOLOGIE 2008

Sehr verehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde —

Über den Preis der Frankfurter Anthologie freue ich mich sehr und danke sowohl denen, die ihn mir zugedacht als auch denen, die es zumindest nicht verhindert haben. Der Preis gefällt mir deswegen so gut, weil er ein echter Liebeslohn ist. Man bekommt ihn für die Liebe zu Gedichten und dafür, daß Marcel Reich–Ranicki einen für — vielleicht gelegentlich eigeschränkt — fähig hält, dieser Liebe angemessen Ausdruck zu verleihen. Ich habe ihm vor allem dafür zu danken, daß er mich in den Jahren der Zusammenarbeit nicht daran gehindert hat, unter den hohen Bäumen der Poesie nachzuschauen, was dort Schönes wächst. Viel ist da an wunderbaren kleinen Pflanzen zu entdecken, manche stehen fast unsichtbar im Schatten und entfalten ihren Zauber nur schüchtern. Grashoff und Theodor Kramer, Mascha Kaleko und Hebel, es wuchs und wächst da eine Menge. Gelegentlich habe ich auch in die Wipfel des literarischen Hochwaldes geschaut, am liebsten, wenn ich die Titanen bei der Alltag beobachten konnte. Also ein Liebeslohn, dieser Preis, in jeder Beziehung: Danke dafür. Der Stoff wird nicht ausgehen.

Es gibt aber noch einen zweiten, wichtigeren Grund, aus dem dieser spezielle Preis mich freut: Als mein erster Roman erschienen war, also vor bald dreißig Jahren, sagte der große Siegfried Unseld zu mir: „Jetzt werden Sie doch mit dem da aufhören!“ Mit dem da war der Journalismus gemeint, von dem er wie von einer Art schlechter Angewohnheit oder peinlicher Infektion sprach. Als sei ich endlich am rettenden Ufer des endgültigen Ernstgenommenwerdens angelangt. Aber ich wollte mit dem da gar nicht aufhören, ich habe es auch nicht getan, und der Preis der Frankfurter Anthologie ist dafür eine ebenso angenehme wie erwünschte Bestätigung. Er bewegt sich nämlich zwischen jenen künstlich geschaffenen Grenzen — Schreiben und journalistisch schreiben — aufs Anmutigste hin und her, er, dieser Preis, muß diese Grenze ja geradezu verwischen und auflösen. Man konnte mir nichts Schöneres antun, als mich in den Kreis derer, die das auch so empfinden, einzulassen. Einer meiner Hausheiligen war und ist Joseph Roth, und auch der hat mit dem da nicht nur deshalb weitergemacht, weil er davon leben mußte — er wußte, daß der reportierend Schreibende eine Menge lernt und das Gesehene und Erfahrene manchmal in seine anderen Texte mitnehmen kann wie eine Wegzehrung. Er hat sich auch nicht gescheut, für seine Leser, für die damaligen und die heutigen, die Welt mit Wörtern genußfertig zu machen.

Schon in meinem Abiturlebenslauf — sowas mußten wir machen, dabei hatten wir natürlich alle noch keinen — hatte ich bekannt, es zöge mich zum Schreiben. Den Aufsatz hatte mir der Direktor meiner alten Schule vor ein paar Jahren anläßlich einer Lesung dort gezeigt. Ich wunderte mich. Auch ein gewichtigeres Zeichen, nämlich ein Horoskop aus dem gleichen Jahr, 1964, hatte ich offenbar nicht ernst genug genommen: Darin steht wörtlich:
Stark gestellt im vorliegenden Horoskop ist durch Zeichenstellung und Beziehung auf den Zenith Venus. Mit Merkur und Pluto zusammen weist sie auf künstlerisches und schriftstellerisches Talent hin. Allfälliger Erfolg in dieser Richtung muß aber zäh errungen und erschafft werden, fällt also nicht leichthin in den Schoß. Man könnte doch glatt vom Unglauben abfallen, wenn man das liest!

Das hätte mich warnen sollen und hat es vielleicht sogar getan, denn ich schaute mir die Sache erst einmal aus dem Souterrain an und landete im Journalismus. Der brachte mit sich, daß ich Dichterinnen und Dichter, Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus der Nähe kennenlernte, und ich zog Schlüsse. Bei vielen schien es, als hätten ihre Geschichte, eine Idee oder der Hunger der Gesellschaft sie unter das Joch des Erzählens gezwungen. Als seien sie das Schreiben allen möglichen anderen schuldig und nicht ausschließlich sich selbst. Sowas wollte ich auf keinen Fall, ich studierte es aber aufmerksam.

Natürlich habe ich geschrieben, ich wüßte nicht, wann nicht. Aber: Was man damit wollen konnte und sollte, das ließ sich nicht so leicht klären, zumal die Zeichen der Zeit damals in den Siebzigern ganz und gar nicht in die Richtung wiesen, in die ich wollte: zum Glück nämlich. Ich wollte und will schreiben, um glücklich sein zu können. Natürlich habe ich das nie laut gesagt, nie zugegeben, bis zum heutigen Tag nicht. Auch das Glücklichmachen, wenn der Begriff Glück überhaupt benutzbar sein darf, kam für mich erst in zweiter Linie. Die Dankbarkeit übers Glücklichgemachtwerden allerdings war immer da und wuchs und wächst. Gedichte waren und sind etwas, das mich glücklich macht. Um so trauriger, daß sie oft von so tief Unglücklichen in die Welt gesetzt worden sind.

Also: Poesie für mich nur als Liebende, im Fall der Frankfurter Anthologie auch als Interpretierende, Entdeckende, Glück Mitteilende. Die Poeten waren für mich immer die Lipizzaner der Literatur, streng, leicht und elegant und jeder sehnsüchtigen Bewunderung wert.

Irgendwann, da war ich nicht mehr wirklich jung, hatte ich das Gefühl, durch Schreiben über Schreibende gelernt zu haben, wie man es anstellen könnte: Zu ihnen zu gehören und doch glücklich zu sein. Zäh errungen und erschafft, das war ja nicht nur das Verdikt des alten Schweizer Pfarrers, der mir damals das Horoskop gestellt hatte, sondern der allgemeine Comment, die facon d´etre für Schreibende, über die es nicht möglich war, sich hinwegzusetzen. Für mich als Schreibende wurde das Glück über Jahre hin zur Konterbande, zum Schmuggelgut. Ich versuchte, nichts davon zu verraten. Das Schreibleben allerdings hat nicht versäumt, mich von Zeit zu Zeit vom Gegenteil, von der qualvollen und dunklen Ordnung der Dinge überzeugen zu wollen. Manchmal wäre es ihm fast gelungen.

Dann aber kommen Tage wie der heutige, wo einem eben doch etwas ganz leichthin in den Schoß fällt. Dieser Preis paßt wirklich zu allem, was Schreiben für mich bedeutet, Schreiben und sich schreibend im Geschriebenen umschauen, flüchtig und bleibend zugleich. Das ist wirklich Glück.

Wenn Sie gerne wissen möchten, was ich mit dem Geld vorhabe, das dieser Preis einem zuwirft: (Ich wollte das Preisträger nämlich immer fragen, habe mich aber nie getraut) — ein Drittel gedenke ich so schön wie möglich zu verprassen, aber nicht allein. Zwei Drittel werde ich für die Aufheiterung meines Alters, das ja schon um die Ecke linst, aufheben. Mein Laudator Marcel Reich Ranicki hat mich mit seinen düsteren Nachrichten aus diesem längst an meinem Horizont erschienenen Kontinent aufgeschreckt.

Also, ich werde zwei Drittel für die alte Eva Demski aufheben. Es lohnt doch, auszuharren. Marcel Reich–Ranicki machts uns ja vor, Tag für Tag.

Ich hoffe, daß Sie alle sich mit mir freuen und danke Ihnen, wenn Sie es tun!